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"Vor uns das Meer" erzählt die außergewöhnliche Geschichte von Donald Crowhurst, einem Amateursegler, der 1968 beim Sunday Times Golden Globe Race angetreten ist, um der schnellste Mensch zu werden, der allein und ohne Zwischenstopp die Welt umsegelt. Mit seinem unfertigen, selbst entworfenen Boot und mit der Hoffnung durch das Preisgeld seine Firma zu retten und seiner Familie ein besseres Leben zu ermöglichen, sticht Crowhurst schließlich in See. Er lässt seine Frau Clare und die gemeinsamen Kinder zurück und begibt sich Hals über Kopf in ein Abenteuer, das Geschichte schreiben wird.

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

Wenn es um die filmische Darstellung wahrer Begebenheiten um über sich hinauswachsende Menschen geht, ist der englische Regisseur James Marsh ein Mann mit Erfahrung. Mit seiner Dokumentation Man on Wire – Der Drahtseilakt, welche Philippe Petits waghalsigen Seiltanz zwischen den Türmen des World Trade Centers in Augenschein nahm, gewann er 2009 einen Oscar. Ein paar Jahre später folgte mit Die Entdeckung der Unendlichkeit ein weiterer Blick auf das Leben einer realen Person (des Physikers Stephen Hawking), die in ihrem Schaffen nach den Sternen griff – diesmal jedoch in Form eines Spielfilms. Dieser Linie blieb James Marsh mit seinem neuen Film Vor uns das Meer treu und baute ganz auf seine Erfahrung als Erforscher von Biografien. Während in seinen anderen Filmen die Protagonisten luftige Höhen und geistige Weiten der theoretischen Physik erkundeten, begibt sich der Amateursegler Donald Crowhurst in Marshs neuem Werk auf die stürmischen Weltmeere. Dabei besteht sein Ziel in der Umsegelung der Welt ohne einen einzigen Zwischenstopp.

Wer nun glaubt, einen Ein-Mann-Überlebenskampf wie in Life of Pi (2012) oder All Is Lost (2013) zu sehen zu bekommen, hat weit gefehlt. Vor uns das Meer verlagert seinen Schwerpunkt auf die Zeit vor der Segeltour und die Beziehung zwischen Donald Crowhurst und seiner Familie. Selbst wenn der Protagonist sich bereits auf hoher See befindet, besteht in Form von Rückblenden ein ständiger Bezug zu den Daheimgebliebenen. So wird der Kampf des Menschen mit der Naturgewalt nur in wenigen Szenen angedeutet und liegt das Augenmerk auf den Ängsten seiner Familie und der Berichterstattung über das Wettrennen. In Anbetracht der wahren Ereignisse, auf die an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll, macht diese Erzählart durchaus Sinn. Umso erfreulicher ist es deshalb auch, dass James Marsh nicht nur für die Rolle des Donald Crowhurst mit Colin Firth (A Single Man) einen begnadeten Charakterdarsteller gewinnen konnte, sondern auch die beiden anderen wichtigen Rollen des Films exzellent besetzt sind: Rachel Weisz (Der ewige Gärtner) ist als bangende und hoffende Ehefrau zu sehen und David Thewlis (Harry Potter und der Gefangene von Askaban) gibt sich als engagierter Zeitungsreporter Rodney Hallworth.

Von der ersten Sequenz, in der Crowhurst mit leuchtenden Augen die Worte von dem Wettrennen um die Welt vernimmt, über die Phase der Vorbereitungen und des Abschieds von der Familie bis hin zu den Szenen auf See folgt der Film einem Muster, das der regelmäßige Kinogänger kennt wie der erfahrene Segler seine Knoten. Erst gegen Ende stimmt der Film einen Ton an, der überraschend kommt und ins Mark zu treffen vermag. Die optimistische und hoffnungsvolle Atmosphäre kippt über in eine düstere Stimmung der Kapitulation. Begleitet wird dieses visuelle Erlebnis von dem melodiösen Klavierklangteppich der Filmmusik von Jóhan Jóhansson – einer seiner letzten, bevor er im Februar dieses Jahres verstorben ist. Damit gelingt es Vor uns das Meer erst spät, neue Dimensionen zu eröffnen und er bewegt sich allzu gemächlich im sicheren Fahrwasser anderer Vertreter seines Genres. Ein Lichtblick in dieser neuen Dramatisierung einer wahren Begebenheit durch James Marsh ist immerhin das erschütternde Spiel von Colin Firth, der mit jedem düster-melancholischem Blick und jedem Augenzucken eine Ahnung von der Erlebniswelt des echten Donald Crowhurst in diesen für ihn schicksalsträchtigen Jahren 1968 und 1969 zu vermitteln vermag.

Fazit

Mit „Vor uns das Meer“ verfilmte James Marsh wieder eine Geschichte um eine reale Person, die sich zu großen Taten berufen fühlte. Der Film folgt allzu beharrlich den gängigen Mustern eines Hoffen-und-Bangen-Dramas und kann erst gegen Ende mit einer düsteren Atmosphäre und einer unerwarteten Abgründigkeit überraschen. Im Gedächtnis bleiben die herzzerreißenden Klänge der Filmmusik von Jóhan Jóhansson und das packende Mienenspiel von Colin Firth.   

Autor: Jonas Göken

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