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"The Disaster Artist" ist die wahre Geschichte des ambitionierten Filmemachers und berüchtigten Hollywood-Außenseiters Tommy Wiseau - eines Künstlers, der mit großer Leidenschaft zu Werke ging, dabei aber fragwürdige Methoden anwandte. Regisseur James Franco verwandelte die tragikomische Story in ein Loblied auf Freundschaft, künstlerische Selbstverwirklichung und Träume, die trotz unüberwindlicher Hürden Realität werden.
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Kritik

The Room von 2003 hat sich über die Jahre zu einem Kultfilm entwickelt. Aktuell gilt das unfreiwillig komische Drama als eines der schlechtesten Werke der Filmhistorie und ließ damit sogar Konkurrenten wie Manos: The Hands of Fate von Harold P. Warren oder Samurai Cop von Amir Shervan hinter sich. Dank des Internets werden gefühlt jeden Tag neue Mash-Up-Videos, Memes und Theorien verbreitet, die äußerst hilfreich dabei sind, dass The Room seinen Thron wohl auch in den nächsten Monaten und Jahren verteidigen wird. Doch was ist The Room überhaupt?

Der Film erzählt von Banker Johnny (, Samurai Cop 2: Deadly Vengeance), der seit fünf Jahren mit Lisa (Juliette Danielle, Ghost Shark 2: Urban Jaws) zusammen ist. Alles scheint perfekt in Johnnys Leben, doch als sein bester Freund Mark (Greg Sestero, Retro Puppet Master) eine Affäre mit Lisa eingeht, ist dies der Beginn einer Tragödie. Das liest sich als herunter gebrochene Synopsis weder sonderlich innovativ, noch besorgniserregend. Wenn man sich The Room aber dann ansieht, sollte jedem schnell klar sein, warum und woher der Film seinen Ruf hat.

Der Film ist eine Ansammlung von Unfähigkeiten und Anti-Talent. Wiseau, der als Hauptdarsteller, Produzent, Autor und Regisseur beteiligt war, schuf mit seinem Werk das Paradebeispiel eines So-schlecht-dass-es-gut ist-Films. Damit sind nicht die Unmengen an Anschlussfehlern gemeint, sondern vor allem das amüsante, talentlose Spiel der Akteure, eine niedergeknüppelte Kohärenz (inhaltlich wie stilistisch), Dialoge so repetitiv wie sinnlos und Figuren, die scheinbar via Zufallsprinzip in die Handlung hinein geschoben werden. Das alles macht The Room zu einem großen Spaß, vor allem wenn man mit Freunden und Alkohol sich diesem Exzess des Versagens hingibt.

Ist The Room für viele Zuschauer eine großer Spaß, so erwies sich der Dreh als Tortur. Mark-Darsteller Sestero schrieb, zusammen mit dem Journalisten Tom Bissell, über diese Erfahrung das Buch The Disaster Artist. Dort bekommen die Leser einen Einblick, was alles bei der Produktion schief gelaufen ist. Gleichzeitig erzählt das Buch aber auch über die Freundschaft zwischen Sestero und Wiseau und auch wenn es sehr einfach wäre, sich nur über den The Room-Macher lustig zu machen (immerhin bietet er alleine wegen seines Akzents und Präsenz eine enorm große Angriffsfläche), ist es auch ein Zeugnis seiner Passion, eisernen Willens und fast schon krankhafter Naivität.

Genau dies lässt sich nun auch in der Verfilmung wiederfinden. Regisseur und Hauptdarsteller James Franco (Die fantastische Welt von Oz) inszenierte mit The Disaster Artist einen vergnüglichen, kurzweiligen und immens glaubhaften Film. Dabei verfällt er nicht der Versuchung sich nur auf den chaotischen Dreh von The Room zu konzentrieren, sondern wendet sogar noch ein wenig mehr Kraft dafür auf, die Freundschaft zwischen Greg (Dave Franco, Die Unfassbaren - Now You See Me) und Tommy zu ergründen. Frei von Scham und Furcht vor verletzten Zuschauererwartungen erforscht er mit erfrischender Einfachheit die Beziehung des Duos und präsentiert ohne großes Zögern die guten wie auch die schattigen Seiten.

Sestero und Wiseau, dass macht der Film (genau wie der Roman) klar, sind getriebene Existenzen. Sie wollen es schaffen in Hollywood. Sie wollen sich beweisen und ein Stück ab bekommen vom Kuchen des Ruhms. Während Greg dabei immer wieder von der eigenen Vernunft sowie Unsicherheit gebremst wird, kennt Tommy kein Halten. Es ist ihm egal was andere über ihn sagen oder denken. Er zieht sein Ding durch und in diesem Windschatten nimmt er Greg mit, der sich nur zu gerne mitreißen lässt. Die Dynamik und die Entwicklung zwischen den beiden ist eines der klaren Highlights von The Disaster  Artist.

In unter100 Minuten erzählt Franco nicht nur von einer interessanten, dysfunktionale Freundschaft, sondern auch von der Entstehung eines der (für viele Filmfans) schlechtesten Filme aller Zeiten. Das Schöne daran ist, dass sich beides nicht gegenseitig ausklammert. Wie Zahnräder greifen die einzelnen Facetten zusammen und bilden ein großes, überzeugendes Ganzes, in dem man als Zuschauer stetig hin- und hergerissen ist, ob Tommy nun ein naiver aber auch mutiger Traumtänzer ist, oder vielleicht doch ein tumber und – in den schlimmsten Fällen – grenzüberschreitender Despot.

Hier erreicht die Verfilmung die gleiche Qualität wie das Buch. Tommy Wiseau wird niemals auf eine Richtung festgelegt. Franco (und Sestero) gönnen sich den Luxus, Tommy in der Schwebe zu lassen. Das passt ganz wunderbar, weil er bis heute vielen ein Rätsel ist. Woher kommt er? Wie alt ist er? Wie konnte er 6 Millionen US-Dollar aus eigener Tasche für The Room aufbringen? Während es im Buch dazu einige Theorien gibt, reicht es Franco aus diese Fragen zu stellen, ohne eine Antwort zu liefern. Das sorgt dafür, dass Tommy Wiseau eben nicht nur amüsant, sondern auch immer etwas geheimnisvoll und damit spannend bleibt.

Das Kernstück von The Disater Artist ist aber natürlich auch seine Darstellung des The Room-Drehs und hier gelingt Franco wirklich ein paar sensationell lustige Szenen – auch dank seiner Darsteller. So schaut Zac Efron (Mike and Dave Need Wedding Dates) kurz vorbei und persifliert mit einer Performance im Grunde die hohe Kunst des Method Acting, während Jacki Weaver (Magic In The Moonlight) in einer wunderschönen Dialogszene die Ehre zu teil wird, dem Publikum zu erklären, warum die The Room-Darsteller nicht einfach das Projekt verließen. Diese komödiantischen Szenen werden von Franco perfekt positioniert und er findet für sie immer das richtiges Maß. Sie überstrahlen nicht und setzen klare, markante Eckpunkte innerhalb der Handlung, die übrigens recht entschlackt daher kommt. Kenner des Buches werden also einige durchaus wichtige Szenen im Film vermissen.

Dennoch wirkt sein The Disaster Artist nie lückenhaft. Narrativ mach er keine Fehler und auch seine Darsteller überzeugen. Dazu gelingt es ihm die Welt der Schauspielschulen, Castingbüros und Film-Sets überaus glaubhaft zu vermitteln. Nie stellt sich das Gefühl ein, dass hier etwas zu sehr übertrieben wird, was kaum vorstellbar ist, wenn man sich die Entstehungsgeschichte von The Room nüchtern vor Augen hält. The Disaster Artist ist ein Film der bei jeder Einstellung spürbar macht, dass sich die Macher wirklich Gedanken gemacht haben, wie sie die Geschichte ohne großen Ballast effektiv erzählen können. Glückwunsch, es ist ihnen gelungen.

Was ihnen auch gelungen ist, ist ein kleines Schmankerl, dass am Ende auf das Publikum wartet. Franco hat große Teile von The Room 1:1 nachgedreht uns stellt seine Version und das Original kurz vorm Abspann gegenüber. Hier zeigt sich, wie akkurat und detailliert er zu Werke ging. The Room-Fans wird es freuen und Nicht-Kenner bekommen mit dem Material vermutlich die beste und aufwendigste Aufforderung serviert, sich The Room einmal selbst anzusehen. Aber bitte mit Freunden und Alkohol. Prost und viel Spaß.

Fazit

James Franco gelingt mit der Buchverfilmung ein kurzweiliger, fein entschlackter und teils immens komischer Blick auf die Entstehungsgeschichte eines der Trash-Klassiker überhaupt. Das Herzstück von „The Disaster Artist“ ist aber die dysfunktionale Freundschaft zweier Träumer, denen Franco mit seinem überaus gelungenen Film huldigt. Der Mythos Tommy Wiseau wird dabei zum Glück nicht entzaubert.

Autor: Sebastian Groß

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