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Im Mittelpunkt der Geschichte steht der introvertierte Busfahrer Paterson aus dem gleichnamigen Ort Paterson in New Jersey, der in seiner Freizeit Gedichte schreibt.

Kritik

Jim Jarmuschs Filme sind ein Paradebeispiel für Arthouse-Filme. Sie sind wunderbar gefilmt, bis ins kleinste Detail minutiös geplant, langzeitige Leidenschaftsprojekte, die brilliant besetzt sind und bei dem alle Beteiligten ihr Bestes geben. Zum Stempel "Arthouse" gehört aber auch, dass sie vielen Leuten vollständig unzugänglich sind, weil sie langsam gepaced sind, kryptische Dialoge enthalten und vor allem auf Charakterbeziehungen oder versteckten Themen basieren. Einem unbedarften Zuschauer erscheint so etwas schnell sinnlos und langweilig. Wer sich in dieser Beschreibung selbst erkennt, sollte sich von Paterson wohl eher fernhalten, da er alle genannten Elemente enthält.

Aber keine Angst, uns droht kein weiterer Limits of Control, der bei seinen Fans allgemein als Jarmuschs schlechtester Film rangiert. Es wäre falsch zu behaupten, dass Paterson keine Handlung hat. Es gibt sogar eine Menge an Stories und Nebenstories. Zu weiten Teilen sind sie eher fetzenhaft und behandeln Alltäglichkeiten, wie sie sich einem Busfahrer nunmal präsentieren. Das macht sie dadurch aber nicht weniger interessant. Sie eröffnen durchgehend Möglichkeiten, ohne dabei vorgefertigten Mustern von Steigerung und Eskalation zu folgern, sondern machen eher das Gegenteil. Es kommt eigentlich nie zum großen Eklat. Der Film zelebriert stattdessen viel lieber Non-Events und Alltäglichkeiten, was ihn auf eine gewisse Weise realistisch macht, ohne in einer Atmosphäre von Poesie zu berauben. Nach Eigenaussage, formte Jarmusch den Film als "Gegenmittel zum modernen Actionfilm". Ob man das gut findet oder nicht - gelungen ist es ihm jedenfalls.

Diese Atmosphäre wird aber nicht nur durch Figuren und ihre Interaktionen bestimmt, sondern auch von einer von Jarmuschs absoluten Spezialitäten: Der Szenenbildgestaltung. Ohne dass es besonders unnatürlich wirkt, beherrschen die ersten zwanzig bis dreißig Minuten eigentlich nur die Farben Rot und Blau das Bild. Während man darüber nachdenken könnte, ob das etwas mit dem Thema des Films zu tun hat ("blue-collar" Paterson mit seiner leidenschaftlichen Zweitnatur als Dichter), verbleibt der Film aber nicht dabei, sondern öffnet seine Farbpalette zusehends und sorgt damit weitergehend für Abwechslung und absolut gelungene Bilder.

Für Jarmusch-Fans gibt es auch die Möglichkeit Bezug zu anderen Filmen herzustellen, auch wenn das nicht zwangsweise notwendig ist. Die Starke Bindung des Films an (einen bestimmten) Dichter kennt man bereits aus Dead Man, das Schachspiel taucht auch in Ghost Dog auf und genau wie in Coffee and Cigarettes erhält Method Man einen Gaustauftritt.

Besonders hervorheben sollte man auch die schauspielerische Leistung von Adam Driver in der Titelrolle. Hat er für seine Darstellung von Kylo Ren in Erwachen der Macht jüngst wenig Liebe bekommen, so kann er hier zeigen, was schauspielerisch alles in ihm steckt. Das ist nämlich eine ganze Menge. Es braucht schon eine Menge Talent um zu transportieren, was hier geschieht: Seine Figur Paterson ist nämlich reichlich introvertiert und spricht nur sehr selten aus, was in ihm vorgeht. Zudem sind seine Emotionen oft widersprüchlich, was sich durchgehend glaubwürdig und facettenreich auf Drivers Gesicht wiederspiegelt. Ohne diesen beeindruckenden Einsatz von Mimik würden eine Menge Szenen überhaupt nicht funktionieren.


Fazit

Wer Jim Jarmuschs Vorliebe für langsames Pacing, Wiederholung und kryptische Dialoge nicht mag, wird hier keine Offenbarung erfahren. Jarmusch bleibt in "Paterson" seinem Stil absolut treu - und liefert dabei sein womöglich bestes Werk seit "Dead Man" ab. Von der Musik und der Kameraarbeit bis hin zum letzten Detail im Bühnenbild ist "Paterson" eine absolute stimmige Zelebration des Mondänen.

Autor: Sören Jonsson

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