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Im England der 1920er Jahre lernen sich Ethel und Ernest kennen und lieben. Später heiraten sie, bekommen 1934 einen Sohn namens Raymond und leben bis zu ihrem Tod im Jahr 1971 ein einfaches aber glückliches Leben in London.

Kritik

Es wird immer wieder deutlich, dass in den Worten „das Leben schreibt die schönsten Geschichten“ ein Fünkchen Wahrheit steckt. Vielleicht liegt es am maximalen persönlichen Bezug des Verfassers zur Geschichte und der damit einhergehenden Wahrhaftigkeit der Gefühle, dass uns wahre Geschichten ganz besonders für sich einnehmen. Schließlich ist das Gefühl der Verbundenheit ein tiefes menschliches Bedürfnis und erleben wir es nicht gerade dann, wenn wir bemerken, dass ein anderer Mensch ganz ähnliche Dinge erlebt hat wie wir selbst? Der berühmte englische Zeichner und Illustrator Raymond Briggs erzählt in seinem 1998 veröffentlichten Graphic Novel „Ethel & Ernest“ das Leben seiner Eltern von ihrer ersten Begegnung 1928 bis zu ihrem Tod im Jahre 1971. Getreu der Vorlage schuf Regisseur Roger Mainwood eine filmische Adaption, welche die Bilder des Graphic Novel in ihren Animationen zum Leben erweckt.

Allein die Tatsache, dass jemand mit einer liebevoll gestalteten Bildergeschichte seinen Eltern ein Denkmal setzt, berührt zutiefst. Der Film weist eindeutig auf die wahrheitsgetreuen Wurzeln seiner Vorlage hin, indem er zu Beginn kurz den echten Raymond Briggs zeigt wie er sich einen Tee kocht und anschließend an den Arbeitstisch setzt. Damit nimmt der Künstler den Zuschauer an die Hand, ihm in die Vergangenheit zu folgen und an den Lebensereignissen seiner Eltern teilzunehmen. Eine derart persönliche Einladung kann man nur sympathisch finden. Auch die Erzählung selbst hält das Wohlwollen des Publikums aufrecht, präsentiert sie ihm doch in der warmherzigen Ethel und dem heiteren Ernest ein Menschenpaar, vor dem man nur schwer sein Herz verschließen kann. Dies liegt nicht nur an der visuellen Darstellung der Figuren, sondern auch an den einfühlsamen Stimmen von Brenda Blethyn (Stolz & Vorurteil) und Jim Broadbent (Paddington).

Die Geschichte reiht in ruhigen Bildübergängen Schlüsselmomente des Lebens von Ethel und Ernest aneinander. Vom ersten gemeinsamen Kinobesuch des frisch verliebten Paares über den Einzug in ein eigenes Haus und die späte Geburt des Sohnes bis hin zu den Jahren des Zweiten Weltkrieges und sorgenvollen elterlichen Blicken ob der Entwicklung ihres Sohnes zu einer eigenwilligen Künstlernatur. Mit einem stets lebensbejahenden Unterton wird die Berg- und Talfahrt des Lebens einfacher Leute beschrieben. Dabei liegt in dieser einfachen Schilderung der Ereignisse zum einen der Reiz, dass ein historischer Abriss der Mitte des 20. Jahrhunderts geschaffen wird und das Lebensgefühl dieser Menschen an das Publikum herangetragen wird. Zum anderen lässt die minimalistische Erzählung in ihrer Art, die Ereignisse nur grob anzudeuten, ein wenig an persönlichen Bezügen vermissen. Die skizzenhafte Andeutung der Ereignisse droht hin und wieder in Klischees des Sozialrealismus abzugleiten.

In der schlichten, farbenfrohen Art der Animationen lässt sich ein beglückendes Streben nach Harmonie erahnen. Aus über 60 000 einzelnen Zeichnungen ist ein visuell faszinierender neunzigminütiger Film geworden, der die Kraft besitzt, den Zuschauer in seinen eigenen Kosmos zu entführen. Trotz gesellschaftlicher Ausnahmesituationen wie dem Zweiten Weltkrieg und den politischen Wellenschlägen der Nachkriegsjahre, stellt der Film die alltäglichen Situationen ganz gewöhnlicher Menschen in den Fokus. Dadurch haben nicht nur Zeitgenossen, die das letzte Jahrhundert erlebt haben, das Gefühl den Geschehnissen nahe zu sein. Roger Mainwoods Film holt alle Generationen ab und vermittelt seinem Publikum ein warmes Gefühl der Verbundenheit.

Fazit

Basierend auf dem weltbekannten gleichnamigen Graphic Novel von Raymond Briggs erzählt „Ethel & Ernest“ die wahre Geschichte des Zusammenlebens zweier Menschen. Der Künstler selbst entführt das Publikum in die Welt seiner Eltern. Aufgrund dieses persönlichen Bezugs, der zauberhaften Animationen und zweier herzerwärmender Protagonisten gelingt es dem Film mühelos zu begeistern. Wer mit der skizzenhaften Erzählart einer Adaption eines Graphic Novel jedoch seine Schwierigkeiten hat, könnte leicht enttäuscht werden. In seinem Minimalismus liegt sowohl ein besonderer Reiz als auch die Gefahr des Klischees.    

Autor: Jonas Göken

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