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Am Wiener Hof von Kaiser Joseph II. wird man schon früh auf das Wunderkind Mozart aufmerksam. Doch die Begeisterung ist nicht ungeteilt: Dem verhärmten Hofkomponisten Salieri ist das lebensfrohe Genie ein unerträglicher Dorn im Auge. Und während Mozart zur musikalischen Sensation des Jahrhunderts aufsteigt, reift in seinem verbitterten Konkurrenten ein mörderischer Plan...

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Kritik

"I heard the music of true forgiveness filling the theater, conferring on all who sat there, perfect absolution. God was singing through this little man to all the world, unstoppable, making my defeat more bitter with every passing bar."

Mit vier Jahren komponierte er sein erstes Menuett, mit sieben Jahre folgte die erste Symphonie und mit zwölf Jahren vervollständigte er die erste abendfüllende Oper: Ohne Zweifel, Wolfgang Amadeus Mozart war nicht einfach nur ein Wunderkind, mit großer Wahrscheinlichkeit ist der gebürtige Salzburger der begnadetste Musiker, der jemals das Licht der Welt erblickt hat. Was aber muss das für ein Mensch gewesen sein, der mit einer solch göttlichen Begabung gesegnet worden ist? Und wie kann es sein, dass ein Künstler, der mit einer derartigen, die Erdscheiben verrückenden Brillanz aufwartet, schließlich im bankrotten Elend das Zeitliche segnen musste? Antworten darauf hat Peter Shaffer mit seinem gefeierten Theaterstück Amadeus geliefert - und Milos Forman (Einer flog über das Kuckucksnest) hat dieses einzigartige Bühnen-Opus gleichnamig verfilmt.

Es ist mit Sicherheit der weiseste Schritt gewesen, die zu Recht Oscar-prämierte Drehbucharbeit auch Peter Shaffer zu überlassen, gibt es doch keine andere Person, die den Stoff um Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce, Eine Wahnsinnsfamilie) und seinem erbitterten Neider, dem damaligen Hofkomponisten des Kaisers, Antonio Salieri (F. Murray Abraham, Der Name der Rose), in seiner Mannigfaltigkeit tiefer und entschiedener zu durchdringen weiß. Ausschlaggebend, um Amadeus angemessen zu goutieren, ist es zu wissen, dass weder Shaffer noch Forman auf ein historisch akkurates Abklopfen der, nach wie vor mit vielen Fragezeichen versehenen, Biographie von Wolfang Amadeus Mozart berufen. Stattdessen nimmt die Narration die Perspektive des Italieners Antonio Salieri ein, der im Jahre 1823 einem Geistigen aus dem Inneren einer Irrenanstalt seine Erinnerungen an Mozart kundtut.

Die erzählerische Klasse von Amadeus benötigt nur wenige Minuten, um ihre unermesslichen Qualitäten aufzuweisen. Die eigentlich, so möchte man überheblich meinen, simplistisch angelegten Persönlichkeitsstrukturen von Wolfang Amadeus Mozart und Antonio Salieri werden im Verlauf der Geschichte so konsequent auf Distanz von jedem Anflug an Reißbrettcharakter gehalten, wie es nur wahren Meistern ihres Fachs möglich scheint. Da hätten wir den lebensgewandten Mozart, ein juveniler, obszöner Punk, der mit schriller Lache dafür sorgt, dass der anwesende Adel die Stirn in Falten legt. Beweist Mozart allerdings sein überirdisches Talent, herrscht andächtiges Schweigen - auch bei Antonio Salieri. Der bricht später noch mit Gott, weil er es nicht nachvollziehen kann, dass dieser ausgerechnet einen vulgären Kasperle zu seinem Instrument erhoben hat, während sich Salieri zusehends mit seiner eigenen Durchschnittlichkeit konfrontiert sehen muss.

Dass diesesr auf einem bis zum Anschlag aufgeladenen Wechselspiel aus Eifersucht und Bewunderung fußende Konkurrenzkampf geschichtlich nicht belegt ist, tut im Falle von Amadeus nichts zur Sache, begreift sich das im Director's Cut fast dreistündige Breitwandepos doch primär als Interpretation denn als Rekonstruktion. Diese unverkrampfte Vorgehensweise gibt dem Film letztlich den Freiraum, um eine individuelle Dynamik zu entfachen, die auch ein Publikum begeistert, welches sich sonst nicht unbedingt mit den Klängen klassischer Musik auseinandersetzt. Nein, in Wahrheit ist Amadeus Kino in Reinform, ein kinematographischer Siegeszug, der in jeder seiner eindrucksvollen Minuten unter Beweis stellt, zu welchen Triumphen das Medium doch möglich ist - und wie mitreißend sich eine Biographie gestalten kann, wenn sie nicht dem Anspruch erliegt, sich fortwährend mit lexikalischem Wissen zu brüsten.

Amadeus ist eine nach wie vor entdeckungdwürdige Geschichte des ausprägten Wahnsinns. Salieris krankhafte, von Intrigen befleckte Missgunst auf der einen Seite, Mozarts nonkonformistischer, übersprudelnder Drang, großartig zu sein und von der Gesellschaft auch als der Großartigste anerkannt zu werden. Der auf dem Papier anmutenden Schlichtheit dieser Konstellation wird durch eine profunde Palette an Emotionen entgegengewirkt, die Milos Forman so wahrhaftig, so vital und so temperamentvoll über die gesamte Laufzeit entfesselt, dass es den formidablen Schauspielern eine freudige Selbstverständlichkeit gewesen sein muss, zu absoluten Höchstleistungen aufzufahren. Eine mitreißende Seherfahrung ist das, die als prunkvoller Barockbilderbogen die Augen strahlen lässt, inhaltlich aber durch die kluge Reflexion über das Wesen der Kunst (ihre Vergänglichkeit respektive Überzeitlichkeit) den Intellekt stimuliert und durch seine aufmerksame Charakterorientierung die Herzen erfüllt. Eine Blüte der Erleuchtung.

Fazit

Ein Film, so virtuos wie das Wesen des titelgebenden Wunderknaben. Tatsächlich ist "Amadeus" ein wahrer Rausch, der trotz seiner fast dreistündigen Laufzeit mit einer Kurzweil begeistert, wie sie so nur ein wahrer Meister seines Fachs aufrecht erhalten kann. Der begnadete Milos Forman zeigt einmal mehr, warum er zu den größten Filmemachern zählt: Nicht nur prunkvoll inszeniert, gerade die beiden Psychogramme im Zentrum sind mit herausragendem Feingeist ausgearbeitet worden. Ein operngleicher Wahnsinn um Neid, Begabung, Rebellion und den menschlichen Drang, großartig zu sein.

Autor: Pascal Reis

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